Mittwoch, 13. Juni 2012

PTBS


Großstadt mit Herz: Eine Herde Schafe inmitten des Englischen Gartens gibt München den Anschein einer gutmütigen Gemütlichkeit. Wer will sich in dieser Idylle noch daran erinnern, dass München einst als Hauptstadt der Bewegung galt? Doch dass im wohlhabenden Vorort Dachau Nazis die erste Mörderschule eröffnet und bis zur Befreiung betrieben haben, bleibt unauslöschlich im kollektiven Gedächtnis und als Posttraumatische Belastungsstörung, als PTBS.

Der ARD-Tatort "Heimatfront" zeigte programmatisch am Schicksal von vier heimgekehrten Afghanistan-Soldaten deren Kriegsfolgen: Am besten schaffte es noch der junge Mann zurück in sein Zivilleben, der unter Beschuß sein Bein unter dem Knie verloren hatte. Der nächste Kamerad verfiel dem Alkohol. Ein weiterer erschießt trotz zitterhändigem Tremor in Eifersucht eine Frau. Der depressive Feldwebel lässt sich von Sondereinsatzkräften erschießen.


Der Tatort "Heimatfront" thematisiert am 10. Juni 2012, welchen Preis Kriegsheimkehrer und die Zivilgesellschaft für den Einsatz an der Front zahlen. Nach dem Tatort bearbeitet Günther Jauch in prominenter Runde das Thema weiter unter dem Titel: "Trauma Afghanistan - welche Spuren hinterlässt der Krieg?"



Günther Jauch bearbeitet in der ARD nach dem Tatort "Heimatfront" weiter das Thema: "Trauma Afghanistan - welche Spuren...."
Zeitgleich, am 12. Juni 2012, dürfen 60 Heimkinder jahrzehnte nach ihrer qualvollen Erziehung im bayrischen Landtag von ihren Leiden berichten und bestenfalls auf finanzielle Entschädigungen und Erleichterungen in ihrer Altersarmut hoffen. Es hat einige Jahrzehnte gedauert, bis Anschuldigungen wie von einer Vergewaltigung im Beichtstuhl überhaupt erst ernst genommen, verfolgt und endlich einmal aufgeklärt und bewiesen wurden. Wieder wird sich wohl auch PTBS für zahllose Mitglieder einer Gruppe von Leidensgenossen diagnostizieren lassen.
Wie aber bewältigen andere Berufstätige ihr Arbeitsleben? Wie schaffen es U-Bahn- oder Lok-Führer zurück in ihren Fahrzeugstand, wenn sie nach dumpfen Aufschlag und Notbremsung die Überreste eines Selbstmörders unter den Rädern sehen. Wie reagieren ausgebrannte Lehrer und Erzieherinnen auf das Gekreisch von kleinen Kindern in Gruppen? Welche Spuren hinterlassen Jahrzehnte einer schwer erträglichen Arbeit oder traumatische Erlebnisse im Menschen wie bei Feuerwehrleuten, Rettungssanitätern oder Sicherheitskräften?

 Mir ist es unerklärlich, wie bei zahllosen wirklich widrigen Tätigkeiten, welche in einer arbeitsteiligen Gesellschaft anfallen, wie bei diesen widrigen Anforderungen der Arbeitswelt, ein "Bedingungsloses Grundeinkommen" also eine Rente ab Geburt ausgeschüttet werden soll.


Im Englischen Garten, in der uns umgebenden wundervollen Natur, entspannt sich der geplagte Großstadtmensch in München. Wenn die Sonne untergeht, pfercht der Hirte mit seinem Hütehund die Schafherde ein. Wenige hundert Meter weiter rollen im Feierabendverkehr Stoßstange an Stoßstange diszipliniert und konzentriert Tausende von Arbeitnehmern heimwärts.


Das verregnete Frühjahr verwandelt den Englischen Garten in eine grüne, ruhige Idylle. An Werktagen genießen Rentner und Mütter, die Hunde, Kinder oder beides ausführen, die Schönheit und Stille.


Das Wasser der Isar produziert untentwegt Strom. Schwerer Regen lässt den Fluß in kurzer Zeit schon um 12 Zentimeter auf mittlerweile 1,60 Meter anschwellen. Doch die erste Warnstufe für Hochwasser beginnt bei 2,40 Meter Wasserstand. Bayern verbindet touristische mit industriellen Höhepunkten.


Die jungen Leute verschaffen sich an ihrem Spielplatz wie bei dieser farbenprächtig verzierten Villa Kunterbunt ihre eigene Welt.


Die Umgebung von München lockt mit Wanderungen in Flußauen und Wiesenlandschaften. Biergärten und Ausfluglokale stärken ermüdete Wanderer. Aus dem Ammersee schwappt mit grün-grauer Färbung die Amper. Die wohlhabenden Vororte rund um München bilden den sogenannten Speckgürtel. Deren Bewohner nutzen die kulturellen, industriellen und geschäftlichen Angebote im Großraum München, welcher verkehrstechnisch gut vernetzt ist.

Freizeitsportler genießen den romantischen Amperradweg von Fürstenfeldbruck nach Dachau. Auch auf kleinen Booten lassen sich Flusswanderer den ruhigen Fluß hinunter treiben, ohne sich dabei groß anzustrengen.


Mehr Ruhe, als sich im Boot auf dem ruhigen Wiesenfluß Amper treiben zu lassen, kann man schwerlich im Münchener Umland erfahren.


In zahlreichen Seen rund um München lässt sich selbst ein verregneter Tag mit einem erfrischenden Bad krönen. Deutschland im allgemeinen bietet zahlreiche Sehenswürdigkeit, die als Weltkulturerbe geadelt sind. Doch daneben erinnern Gedenkstätten an den Terror der Nazi-Zeit von 1933 bis 1945. Eine zentrale Stelle des Erinnerns hat Bayern mit der KZ-Gedenkstätte in Dachau geschaffen.


Das Umfeld Münchens ist gut durch den öffentlichen Nahverkehr erschlossen. Auch die KZ-Gedenkstätte in Dachau lässt sich leich mit U-Bahn und Bussen erreichen. Zudem bietet das großzügige Parkgelände Platz für Busse, PKWs, Campingfahrzeuge und sogar für einen Fernfahrer mit seinem Lastzug aus Russland.




Der Mercedes-LKW im Vordergrund hat den Busparkplatz der KZ-Gedenkstätte Dachau als ruhigen Zwischenstop gewählt. Etwa 20 Busse bringen jeweils etwa 50 Menschen, meist Schüler, zur Gedenkstätte. An einem Werktag füllt sich so die Gedenkstätte schnell mit mehr als 1000 Besuchern.



Mehr als 20 Busse bringen neben zahlreichen jungen Leuten aus Schulklassen, Touristen aus Europa. Auch Campingbusse und Wohnwagen-Gespanne nutzen den Besucherparkplatz, um ausgeruht das umfangreiche Museums-Gelände zu besíchtigen.


Das Modell des ehemaligen KZ-Geländes gibt eine Vorstellung davon, wie auf engstem Raum zehntausende Menschen leben mussten.


Es braucht viel Zeit, das gesamte Gelände der KZ-Gedenkstätte zu ergründen.


Das Museum stellt den Zusammenhang heraus: Der rapide fallenden Welthandel von 1929 bis 1933 ging einher mit dem Aufstieg der Nazis. Derzeit zeigen die Wähler in Griechenland, mit welchen politischen Verwerfungen zu rechnen ist, wenn Menschen Not leiden.



Die Trostlosigkeit des grauenvollen Ortes wirkt noch Jahrzehnte nach der Befreiung am 29. April 1945.


Das KZ in Dachau diente als Prototyp der nachfolgenden Terror-Anlagen. Wiki berichtet, dass dort 200.000 Gefangene um ihr Leben kämpften. 43.000 Menschen sind dort getötet worden. Der Wind muss den Gestank verbrannter Körper über die kleine Stadt Dachau getragen haben.


Der Nazi-Terror von Dachau wie der anderen KZs war gefürchtet. Die Menschen, die wohl viel ahnten, aber wenig wussten, raunten sich eingeschüchtert und verängstigt zu: "Lieber Gott mach mich stumm, dass ich nicht nach Dachau kumm."


Mittlerweile sind die Mehrzahl der Besucher junge Leute. Schüler sollen sich zumindest bei den Ausflügen nach Dachau eine Ahnung davon erarbeiten, dass in den dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte das Volk der Dichter und Denker zu einem Volk der Richter und Henker pervertierte.


Wer damals den Todesstreifen zur KZ-Umzäunung betrat, den haben SS-Schergen aus den Wachtürmen beschossen. Wer es trotz der Schüsse bis zum Zaun schaffte, der starb in den Drähten, die Hochspannung führten. Doch auch wer es wagte, von außen über den Zaun zu blicken, riskierte zumindest seine Freiheit. Wer seine Freiheit aber in dem KZ verloren hatte, hatte schnell sein Leben verwirkt.

Da mittlerweile wieder deutsche Soldaten unsere Freiheit, mittlerweile an der zum Hindukusch vorgeschobenen Ost-Grenze verteigen, sind PTBS-Schicksale sowie die tödliche Tragödie von gefallenen Soldaten unausweichlich. Der Bundespräsident Joachim Gauck beklagt, dass "glücksüchtige" Zivilisten, den Opfermut unserer Soldaten nicht genug würdigen.


Bundespräsident Joachim Gauck spricht den Offizieren in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg Mut zu und mahnt an, unseren Kriegern und Kämpfern mehr Ehre zu erweisen und unsere Gefallenen doch wieder mutiger und mannhafter zu ertragen, auch wenn es schwer fällt:

"Dass es wieder deutsche Gefallene gibt, ist für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen", meint Bundespräsident Joachim Gauck.

Dies kommentiert gekonnt und professionell Albrecht Müller von den Nachdenkseiten, welcher in kürzester Zeit vor der Wahl von Gauck seine Erfahrungen mit dem Mann in einem Buch veröffentlichte.



Albrecht Müller analysiert in seinen Nachdenkseiten die denkwürdigen Auslassung Joachim Gauck.

Soweit meine Gedanken zum Thema PTBS, welche sich mindern und lindern ließen, wenn Menschen mehr PRÄ Traumatischen Belastungsstörungen bedenken oder zumindest im Voraus ahnen. Doch nach solchen Ahnungen sein Leben einzurichten und also zu ändern, wer schafft das schon? Es werden wohl mehr und mehr mit PTBS zurecht kommen müssen.

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Sonntag, 10. Juni 2012

Bierschaum aus München


Das Wichtigste für die Wahrnehmung, also die Öffentlichkeit, oder und also auch die Öffentliche Wahrnehmung ist: Schaumschlägerei! Nur wer als Schaumschläger - gleichsam mit Schaum vor'm Maul - Menschen von sich und seiner Wichtigkeit überzeugt, dazu sich global vernetzt, dessen Wort wiegt.

Wer sich nervenstark, auch ausdauernd gegen widrigen Wind durchkämpft, verdient auch Anerkennung. Mama Merkel mag vorrangig für ihre eigene Macht sowie die Macht, den Reichtum und Einfluss ihrer Auftraggeber eintreten, doch was sie jahrelang macht, gewinnt Respekt, auch Wählerstimmen.
Wer medial und mental potent und präsent im Mainstream schwimmt, das sind die Menschen, die die Medien hochschreiben. Die bleiben. Welt bewegende und erregende Ereignisse wie Germanys Next Top-Model oder Europäische Fussball-Meisterschaft verzücken und beglücken das von Arbeit, Entlassungen, Eurokrise und Blutbädern wie derzeit in Syrien erschöpfte Publikum.


Mimamai mag meistens ihren Job als Marktfrau: Im Frühjahr und Sommer verkauft sie in einer Bretterbude an der Straße Spargel, Erdbeeren und Blaubeeren. Im Weihnachtsmarkt Bamberg steht sie in ihrer eigenen Hütte seit bald 20 Jahren ihre Frau. Wer seinen Job mag, macht ihn gut und beflügelt auch andere, ihren Job gut zu erledigen.

Training und Spezialisierung bringen einmalige Experten und ausgewiesene Ausnahmetalente hervor. Diese bejubeln die Massen wie Fußballer. Menschen mit Fußball-Allergie können den Kämpfen um die Europameisterschaft beinahe nur im Koma oder in isolierender Einsamkeit enkommen. Mich stört dieser Rummel schon seit Jahrzehnten.

Nur noch in der Klinik, im künstlichen Koma, entkommt man derzeit der medialen Macht- und Moneten-Manipulation um das Ball-Gebalge von gezüchteten Ausnahme-Artisten.
Doch die Meisten, die sogenannte Mehrheit, will am Ball bleiben. Diese Menschen belebt und beseligt das mediale Mauscheln um Quote wie beim Fußball oder einem weiteren gigantischen Großereignis germanischer Gutgebauter, wie eben Germanys Next Top-Model. Die Damen, welche dann vielleicht die nächste Generation besonderer Ballartisten austragen, gepampert auch von der Wurf- oder Herdprämie, dem sogenannten Betreuungsgeld, präsentieren sich prächtig in Pose.


Archetypisch ahnt der Zeitgeist, dass Beine sich zum Sieg bewegen, gleichgültig ob auf dem Fußballfeld oder dem Laufsteg bei Germanys next Top-Model. Der mediale Massenwahn steuert die Aufmerksamkeit vom Kopf zum Fuß. Statt sich selbst und seine umgebende Wirklichkeit ein wenig besser zu erkennen, manipulieren Medien die Massen mit einer Unterhaltung, die Zyniker als Volksverblödung bezeichnen.

 

Konstantin Wecker besingt beinharte Bemühungen um Aufstieg und Anerkennung treffend mit der Zeile: "Einen braucht der Mensch zum Treten."  Wozu? Es geht um Anerkennung, Aufmerksamkeit, es geht darum, seine gefühlte Minderwertigkeit materiell aufzubretzeln. Deutschland sucht den Superstar. Germanys Next Top Model. Fußball-Europameister. Die Beine, die über den Laufsteg trippeln oder über den Fußballrasen hetzen, symbolisieren eine Kultur des Tretens.


Es geht um Aufmerksamkeit und Anerkennung. Jedes Mittel dazu scheint recht. Selbst wer sich in einen einsamen, regennassen Park flüchtet, begegnet dort ähnlichem Spiel und Spektakel: Wer hat den Größten, den Längsten, den Schönsten... Hund?


Zum Glück wechseln sich kalte Regenschauer mit böigem Wind ab. Selten trocknet der Weg. So bleibt Platz im Englischen Garten. Nur unverzagte Hundehalter und Fitness-Versessene lassen sich vom Wetter kaum beeindrucken.


Dies Rattenrennen, der Größte, Mächtigste, Klügeste, eben der Beste zu sein, setzt sich noch fort, wenn die kriegerische Konkurrenten längst ins Gras gebissen haben. Dann geht es noch darum, wer wem das eindruckstvollste Kriegerdenkmal, den prächtigsten Grabstein aufstellt. Von Erde genommen, zu Erde geworden, bleiben Betonköpfen Steine der Erinnerung.


Um sich nicht immerzu mit Gedanken zu Zeit und unserer Vergänglichkeit zu belasten, bietet Rentners Rummelplatz Reisen immer wieder Ausblicke in eine gleichsam gemütlich Gegenwart: Der Kutscher mit Zylinder befördert mit den beiden Apfelschimmel eine bierselige Gesellschaft in den Biergarten am Englischen Garten. Es ist ein gutes Geschäft, seine Sorgen zu ertränken oder in angenehmer Abwechselung zu vergessen.


Selbst die Sonne erbarmt sich am späten Samstag Nachmittag noch der Münchener. Mit einer angenehmen Begleitung, einem Liter Bier sowie einem Bildschirm für das Fußballfest lässt es sich leben.

In wenigen Stunden meist am Wochenende plus Sonnenschein muss sich der Aufwand im Biergarten bezahlt machen. Was Menschen in harten Arbeitsstunden erwirtschaften, investieren sie zur Erholung in kostspieligen Attraktionen ihrer knappen Freizeit.


Zeigte sich vormittags der Englische Garten noch in tropfnasser Regenpracht, macht sich die Sonne am Nachmittag daran, die aufgeweichten Wege zu trocknen.



Ein Sportplatz im Englischen Garten verschafft den jungen Damen auch eine Bühne, sich in der Kunst zu üben, gegeneinander anzutreten und gemeinsam gegen einen Ball zu treten.


Dieser junge Mann übt sich als Einzelkämpfer. Gekonnt und gewagt hechtet er maßgenau über Mauern und Bäche. Er landet auf einer fußbreiten Mauer, wie er von einer solchen Mauer federnd abspringt.


Die Münchener Stadtväter geben die prächtige Leopoldstraße von Schwabing bis zum Odeonsplatz als Vergnügungs- und Flaniermeile für das Wochenende frei. Kleinunternehmer wie Angestellte von Autohäusern oder Parteisoldaten werben um Aufmerksamkeit oder mit ihren Waren um das Geld der Menschen.


Die wandelnde Deutschlandfahne wie die Halsgirlanden der Damen in schwarz, rot, gelb sind der völkischen Erhebung um "unsere Deutschen Fußball-Heroen" geschuldet. Der Herr mit den roten Schuhen und dem gelben Hemd verschenkt Kindern Luftballons auf Spendenbasis der entzückten Mütter.


Griechisch-spanische-portugiesische Eurokrise? Bei diesem Freundschaftstänzchen zu griechischen Klängen verfliegen die Sorgen ums Morgen. Der Zauber eines glücklichen Augenblickes lässt alles andere vergessen.


Bunte Tücher beleuchtet die Abendsonne. Auf der Bank wirbt ein Schild für "Handlesen, Kartenlegen, Horoskop". Auch für Geistigen Beistand in weniger leuchtenden Lebenslagen ist bestens gesorgt.


Richtung Siegestor drängeln sich immer mehr Menschen um immer reizendere Attraktionen.


So sieht er also aus: Der "Anhänger der CSU" lässt sich kaum übersehen.


Sich diesen akustischen und optischen Reizen auszusetzen, macht hungrig. Doch die Wirte in der Leopoldstraße freuen sich darauf, müde Menschen zu erquicken. Es ist ihr Geschäft.



Wie die CSU um Anhänger wirbt, so buhlen auch Antiklerikale dafür, dass Menschen endlich einmal vom Glauben abfallen. Die Website www.galerie-der-kirchenkritik.de erfordert allerdings einige Aufmerksamkeit, diese Zeichenkette einzugeben. Doch der Service dieses Blogs lässt Sie gleich per Mausklick auf obigen Link dahin wechseln.


Besonders freut den Verfasser dieser Zeilen, dass seine Liebste ihn nach ihren langen Stunden im Erdbeerhüttchen zu einem Bummel über das abendliche Fest in der Leopoldstraße begleitet. Mit ihr ist das Leben doppelt so schön.

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Donnerstag, 7. Juni 2012

Munich


München Karlsplatz am 6. Juni 2012 - erst am Abend kommt etwas Regen.


München - meine Traumstadt, Stadt zum Träumen, Halt- und Ruhepunkt meiner Rentner Rummelplatz-Reisen. Eine Innere Stimme lässt sich in zunehmender Klarheit vernehmen, sofern es gelingt, sich den Stimmen im Außen zu entziehen - oder besser, die Stimmen, Gefühle und Gedanken im Äußeren einfach ungefiltert und urteilslos durch sich fließen zu lassen.

Es ist wie vorgestern, als mich ein Schiff an Gibraltar entlang nach fast drei Monaten Marokko wieder nach Europa brachte, es ist wie gestern, als mich meine Walkuh, mein Wohnmobil auf dem VW-Crafter aus Polen über Prag heim schaukelte, doch es ist gestern gewesen, als mich mein München mit seinem Zauber umfing und begeisterte.


April 2012: Ein Schiff bringt mich mit meinem Wohnmobil Walkuh nach bald drei Monaten in Marokko von Tanger Med zurück ins geliebte und gelobte Europa.

Doch es ist "dahoam", wie die Eingeborenen sich in ihrem unnachbarem Idiom von uns "Zugeroasten" absetzen, doch es ist eben daheim in München unverkennbar zauberhaft heimisch - und sogar wunderschön, wenn es einmal nicht regnet. Es ist wie immer und überall: Menschen heiraten, bekommen Kinder, Menschen werden reich, arm, alt, krank, sterben. Eben das ganz gewöhnliche Leben, Alltag.

Auf der Radtour von meiner Haustür durch den Englischen Garten Richtung Innenstadt fällt in Schwabing die pompöse Hochzeitskutsche auf. Die Upper-Class zelebriert ihre Rituale, wobei dagegen nichts einzuwenden ist.


Ein Bild ist mehr als 1000 Worte, ein Ritual ist mehr als 1000 Bilder. Das Ritual, mich auf meinem bald 30 Jahre alten Fahrrad durch Städte und Landschaften zu bewegen, ist nun auch schon seit Kindesbeinen geübt und gefestigt. Dabei anzuhalten, um ein paar Bildchen zu machen, kam später dazu. Seine Gedanken schreibend zu ordnen, ist zwar früh geübt, doch es dauerte einige Zeit, bis Menschen sich per Blog im Internet einander mitzuteilen begannen. Von steinzeitlicher Wandmalerei bis zur Darstellung im Internet war es ein weiter Weg.


Wer den Baum rechts genauer betrachtet, bemerkt, dass der Chrom-Konstruktion etwas Entscheidendes fehlt: Leben. "Grau ist alle Theorie, grün ist des Lebens Baum." Dafür glänzt das Kunstgeschöpf mit seiner theoretisch-praktischen Ausgestaltung.

Reden, Reden, Reden - theoretische Ausgestaltung in allen Formen auf allen Kanälen. Wenn zudem die Theoretiker von Lebens- und Welterfahrung wenig beleckt, sich in ihren Gedankenwelten gleich Phantasten in Schönwettergärten ausmähren, sich selbst in Höchsten Tönen loben und andere dunkelst schwärzen, dann langweilt schnell das völkische Geschwätz. Was voneinander sich zuweit entfernt, kann kaum mehr miteinander reden. Nichts kann in betonierten Röhren kommunizieren. Betonköpfe brauchen nur noch ein geduldiges Publikum schafsblöder Schweigsamkeit. Gleich Hitlers Tischgesprächen schwafeln mittlerweile Wichtigtuer in Salon-Geschwätz über ihre Befindlichkeit unter Ausschluß der Wirklichkeit. Der Theorie droht, dass Soldaten wie Rebellen sie in Praxis zu tödlichen Trümmern schießen. Als Marie-Antoinette unter ihrer pfundweise mit Mehl gepuderten Perücke erfuhr, dass den Menschen Brot fehlt, flötete Madame: "Warum essen sie dann keinen Kuchen?"



Der Königliche Kunde beherrscht mittlerweile die Flaniermeilen, die dessen einzigartige Bedürfnisse befriedigen. Fleisch- wie Energie-Verbrauch gewinnen Spitzenwerte, auch wenn 500.000 Haushalte ihren Strom nicht mehr zahlen und also im Dunkel sitzen. Nur wer im Wohlstand lebt, lebt angenehm. Solange die Mehrheit im Wohlstand lebt, funktioniert die Demokratie ohne diktatorische Gewalt.



Wir bewegen uns auf geschichtsträchtigem Gelände, also auf blutgetränktem Boden: "Nach der Machtergreifung 1933 wurde die Feldherrnhalle zu einem besonderen Ort der NS-Propaganda. An der östlichen Seite wurde eine Tafel mit den Namen der seinerzeit so genannten Blutzeugen angebracht, die von einer Ehrenwache der SS geehrt wurde. Jeder Passant, der an dieser Tafel vorbei kam, war verpflichtet, diese mit dem Hitlergruß zu ehren. Die Tafel wurde nach dem Einmarsch der US-Amerikaner 1945 entfernt."

Doch wo sich die Macht, wie in München an der Feldherrnhalle konzentriert, da darf Mercedes nicht fehlen. Gleich am Platz demonstriert moderne Macht sich mit zeitgemäßen Produkten.


Mercedes-Showraum am Odeonsplatz: In der Schaufensterscheibe spiegelt sich das Treiben auf dem Platz, welches sich für ein festliches Sommerwochenende rüstet. Pracht und Pomp haben ihren Preis.



Wie der Mann mit seiner Maschine Mädchen beeindruckt, muss Mama mit Sex in the City zeigen, was sie drauf hat. Staunend bewundern die Passanten, wie die Dame mit Kind auf ihren Stiletto gewagt stoziert.




11.30 Uhr - die beste Weißwurstzeit vor 12.00 Uhr mittags. Das Polizeipräsidum liegt in München in zentraler Innenstadtlage. Auch hier - in nächster Nachbarschaft zum Marienplatz mit dem pomp-prächtigen Rathaus - zeichnet sich München durch polizeigeschichtliche Staatsgewalt aus. Wiki erzählt davon:

"Die Vorgänge rund um Demonstrationen gegen den G7-Gipfel am 6. Juli 1992 gingen als sog. Münchner Kessel in die Polizeigeschichte ein. Unter den Augen der Öffentlichkeit kesselten bis zu tausend Polizisten die friedlich demonstrierenden G-7-Gegner vor dem Kaffeehaus Dallmayr am Marienhof ein. Über mehrere Stunden wurden die Demonstranten dort festgehalten. Später zog die Polizei einzelne Demonstranten gewaltsam aus dem Kessel. Es wurde von Fußtritten und Nierenschlägen berichtet. 480 Personen wurden festgenommen und in Handschellen abgeführt. Der damalige Bayerische Ministerpräsident Max Streibl kommentierte den Vorgang mit den Worten Wenn einer glaubt, sich mit Bayern anlegen zu müssen, dann muss er wissen, dass hartes Hinlangen bayerische Art ist."

Andere schwärmen wiederum von der Libertas Bavaria, vom boarischen Leben- und Sterben-Lassen. Doch dafür braucht man Nerven und mehr noch Geld. Wer bei den Philarmonikern ausscheidet, findet vielleicht noch auf der Straße sein Auskommen und sein Publikum.



Ein wenig verschämt verbirgt der Straßenmusikant an der belebten Schanthalerstraße in der Nähe des Hauptbahnhofs sein Gesicht.



Die junge Dame ganz rechts im Bild hingegen zeigt ihrem Bewunderer modellhaft ihre Reize. Die Brunnen in München sind während des Winterhalbjahres mit Brettern abgedeckt.


Wenn "Preissen" allerdings schwach bei Kasse oder ermüdet vom Reisen sind, dann enthüllt sich ihnen kaum der spröde Zauber der Weltstadt mit Herz, des  mega-modernen Münchens. München ist mehr für Mutige.



Doch für den Mutigen in München, der Geld, Zeit und Nerven hat, für den ist der Tisch gedeckt. Wenn die Sonne scheint, gibt es im Biergarten unter schattigen Kastanienbäumen alle Herrlichkeiten dieser boarischen Braukunst mit goldbraunen Knödeln und gebratenem Schweinsbein.


Die Isar schimmert in surrealen Farben. Auf dem Kiesbett inmmitten des Flusses lassen sich Nackerte mitten in München die Haut röten und rösten.



Die Radfahrer fahren über eine luxuriöse Holzbrücke zu einer der zahlreichen Biertränken im Englischen Garten wie hier zum Aumeister.



So verdrießlich, wie der Verfasser dieser Zeilen vor einer Woche am Ufer der Moldau in Prag noch in die Kamera blickte, so fröhlich stimmt München an der Isar im Sonnenschein. Aus dem Grund raunen die Eingeborenen zwischen einem tiefen Zug aus ihren Literhumpen Bier und einem etwa faustgroßen Stück abgesäbelten Schweinsbein vor dem massigen Maul: "Dohoam is dohoam." Doch eben auch die Preissen, wenn sie denn wieder vom Urlaub oder der Durchreise durch Bayern in ihren rußgeschwärzten Elendsvierteln mit ihren musealen Klappergefährten wieder heil angekommen sind, und erstmal wieder bei Grappa, BILD und bei RTL mit einer geliebt-vertrauten TV-Serie wie DSDS sich von den Reiseanstrengungen erholen, dann sind eben auch Preissen sicher und daheim.




München hat in Neuperlach auch diese wunderbare Infrastruktur wie im Ruhrgebiet. Doch in München muss der Kiosk natürlich Löwe heißen.

Fortsetzung folgt