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Dienstag, 11. September 2012

Nach Hause

Mit dem Volkslied "Wenn ich den Wanderer frage,..." klingt diese lange und nicht leichte Reise aus. Meine liebe Frau hat sich den von den Belastungen der letzten zwei, drei Fahrtage erstmal leidlich gesund geschlafen. Sie wandert vom überaus ruhigen und erholsamen Platz "Amerika" in Franzensbad Richtung Stadt und lässt mir Zeit und Ruhe, über unsere Erfahrungen zu räsonieren.


"Wenn ich den Wanderer frage,wo kommst Du her,
von Hause, sagt er, und seufzest schwer.
Wenn ich den Wanderer frage, wo gehst Du hin,
nach Hause, spricht er mit leichtem Sinn."

Mit diesem Lied klingt die lange und nicht immer leichte Reise aus. Die Nächte sind jetzt deutlich kälter. Noch lange am Morgen bis beinahe 10.00 Uhr liegt schwerer, feuchter, kalter Nebel über dem Platz "Amerika" in Franzesbad. Die nahen Bäume zeichnen sich nur als Schemen in grauer Nebelsuppe ab. Der Unterschied zwischen morgentlicher Nachkälte und dem bis bald 30 Grad aufgeheiztem Fahrzeug an Nachmittag sind gesundheitlich kaum zu verkraften. Wir husten. Bargeld, obgleich oft beim Tanken und Einkauf von der Scheckkarte gepumpt, geht zur Neige. Meine Frau hat mehrmals, bevor Belastungen bedrohlich und gefährlich wurden, mit emotionaler Erregung gebremst. Pausen zur rechten, zur höchsten Zeit. Recht hat sie. Die lange Liste unserer Übernachtungsplätze zeigt: Es ist genug!


Stationen der Reise

 1. Bamberg
 2. Saaleck
 3. Nach Magdeburg in der "Pampa" Sandkrug
 4. Havelberg
 5. Müritz
 6. Gatscheck am Tollensesee
 7. Kolberg / Polen
 8. Leba / Polen
 9. Sopot/Zoppot / Polen
10. Stega / Polen
11. Gizycko / Polen
12. Folwark / Polen
13. Kaunas / Litauen
14. Panevézys / Litauen
15. Bauska / Lettland
16. Riga / Lettland
17, Tuja / Lettland
18. Cesis / Lettland
19. Madona  am Krankenhaus / Lettland
20. Vilnius / Litauen
21. Vor Gostynin / Polen am Gasthof
22. Posznan-Posen / Polen
23. Slawia / Polen
24. Teplice / Tschechien
25. Frantiskovy Lazne-Franzensbad / Tschechien
26. Adlitz/Ahorntal
27. Bamberg


             KM            Liter             Euro
66837 43,27 63,56
67495 74,93 110,07
68096 65,81 96,00
68795 70,84 100,00
69455 40,37 28,80
69893 42,19 57,97
70077 19,19 26,47
70475 74,17 106,00
70910 46,91 66,25
71358 50,76 72,88
71811 51,36 76,99
4974579,8804,99
Verbrauch:11,65 Ltr.
                              pro 100 km


Notbremse

Zwar fängt der Tag gut und sonnig an. Die letzten Euros gehen drauf, um bei Caravan Degen in Eckersdorf die Türjalousie reparieren zu lassen. Das Verdunklungsrollo zerriss am Anfang der Reise, der geschickte Handwerker richtet es wieder am Ende der Reise. In unserem Monat auf den Straßen lieferte Dometic, der Hersteller der Aufbautür, das Kälte und Licht abhaltende Rollo. Einem handwerklichen Laien wie mir bleibt kaum eine Chance, das Teil zu wechseln. Der Profi schafft es in einer halben Stunde.

Endlich kommen wir mit unseren Kleinigkeiten für den Weihnachtsmarkt zurück, entladen das Auto, was ohnehin schon mit Boot, Paddeln, Bootswagen, Campingmöbeln, Wasserkanistern, Getränkekästen und Fahrrädern voll geladen ist. Kleinigkeiten entzünden schnell Streit. Die Nerven liegen blank. Sie meint, das Auto kann am Straßenrand stehen, um es flink und flott zu entladen. Doch weil kein Lastwagen daran vorbeikommt, braucht es dann doch einen tauglichen Parkplatz. Wenn Nichtigkeiten schwierig werden, braucht man voneinander ein wenig Abstand. Es wird Zeit, nach Hause zu kommen.

Das Auto ist also entladen. Zwar wieder mehr Platz in der Enge, doch Schlaflosigkeit hält mich wach. Die EZB lässt Euro drucken, anscheinend soviel, wie jedes Land braucht.  Der Herbst kommt, das Thermometer fällt unter fünf Grad. Die Heizung läuft immer wieder an, um den Raum erträglich warm zu halten. Es wird Zeit, höchste Zeit, heim zu fahren.



 Quelle: SPON 09-06-12: "Unbegrenzte Anleihenkäufe"

Die EZB lässt Euro drucken, die Zocker im Kasino grinsen. 


Quelle: 09-03-12: BILD / Bundesarbeitsministerium

Die Massen bleiben arm, arm beim Arbeitslohn, arm im Alter. 


Quelle: SPON 09-07-2012
 
Medialer Polit-Poker: Ständig strahlen so schön, so süß die Gier-, Gewalt-, Genuss-, Grinse-Gesellschafter!


Die Nachdenkseiten titelten schon am 13. August griffig über die Giftköchin im KanzlerInnen-Kreis: "Der asoziale Zynismus der Sozialministerin von der Leyen." Wer liest schon die Nachdenkseiten?  Mediale Verblödung wie bei BILD und SPON macht Massenmeinung. Wer hat Zeit und seine fünf Sinne beisammen, sich durch den Dschungel von giftigem Gier-, Genuss-, Gewalt-Gewächs sich seinen Pfad zu bahnen, um Zusammenhänge zu ahnen?

 Quelle: 08-13-12 Nachdenkseiten

Wolfgang Lieb poliert Politik poetisch: "Hinter dem Permanent-Lächeln der Sozialministerin verbirgt sich nicht mehr und nicht weniger als ein asozialer Zynismus."

 Die Maske des Bösen brüllt nicht mehr, wie Nazi- und Stalinschergen meuchelten, die Maske des Bösen lächelt beständig und gibt großherzig einen Schlag Suppe aus der Armenküche den Hungrigen. Wem allerdings kein glückliches Geschick gefügt hat, gnädig sein Brot in der Festung Europa zu brechen, dem droht auf der Flucht wie durch Wüsten oder Wasser der Tod.


Quelle: 09-08-12 taz: "Über 60 Tote im Mittelmeer"

Hinter Masken von Mildtätigkeit enthüllen Medien die zynische Fakten:

Tränenrühriges sentimales Pathos rechnet sich nicht beim Fight-of-the-Fittest im Survival unter Grinsegesichtern.

Es schmerzen mich Kälte, Anstrengungen der Reise, Streit schon daheim im nicht mehr ganz so trauten Heim. Höchste Zeit, nach Hause zu dieseln. Ein paar Blicke zurück, besonders in Städte wie Bamberg, welche durch Universität, amerikanische Soldaten, Gesundheitsindustrie, Priesterseminar und zahlreiche Brauereien Lust und Laune machen. Schon der Weg dahin gibt beim Freund in Adlitz das schöne Gefühl, daheim zu sein.



Ein kuscheliges Plätzchen findet unser WoMo, die Walkuh, neben dem Haus vom Freund Klaus. Das Efeu hat er diesen Sommer von der Wand geschnitten, weil es sich schon unter die Dachfliesen zu wurzeln begann.



Bamberg protzt mit Steinhauer-Punk. Was die Bomben nicht platt gemacht haben, was aus Trümmern neu entstanden ist, an vielen Ecken, Winkeln und Plätzen haben herrschende Mächte ihre steinernen Duftmarken hinterlassen.


Anarchischer Widerstand gegen die Verhältnisse nutzt den öffentlichen Raum wie in Blogs und Leserbriefen dazu, in wohlgesetzten Lettern schablonierte Aussagen an die Wände zu sprühen. So steht in der Fußgängerzone zu lesen:

"Ich lehne die Grundübereinkunft des Gemeinwesens ab. Insbesondere die Überwertung von Besitz."

Schöne Wörtchen, auch die Süddeutsche Zeitung greift die fromme Botschaft auf wie mit ganzseitigem Interview vom 09-06-12 unter dem Titel: "Viel Geld haben und nachhaltig zu leben, ist ein Unding."




Prächtige Predigten - von Kanzeln und Kathedern, aus Bibeln und von Heiligen - wie auch "es geht eher ein Löwe durch ein Nadelöhr als ein Reicher ins Himmelreich" - und folglich verzichtet der Reiche so rührend uneigennützig auf das Himmelreich, was den Armen im Geiste gegeben.


Nicht, dass weiter über diese oder andere Sätze nachzudenken wäre, nein, das Denken überlassen wir lieber den Pferden mit ihren größeren Köpfen. Sinnig wie der Anarcho Pöbel nächtens die Wände besprüht:

"Denken verbraucht das Gehirn."

Es reicht dem Urnenpöbel, den Kanzelkriechern, den New-Age-Adepten, wenn der Führer, der Priester, der Lehrer, der Meister die Richtung vorgibt. Der Rest folgt willig.



Gesalbte Herren aus Politik und Priesterschaft segnen das Treiben der Marktkaufleute und ihrer Kunden auf dem Marktplatz in Bamberg.



Nahezu auf Schritt und Tritt hämmern Werbetafeln, Plastiken, Monumente, Architektur uns Urnenpöbel und Kanzelnkriechern die Botschaft in die Birne:

"Kreuz, Krummstab, Kanone."



Hier ein Prinzregent, dort eine Andachtshalle, Kruzifixe an Kreuzungen und auf Höhen - wer hier im Lande selig lebt, der muss dazu gehören oder zumindest am Tisch mit denen sitzen, die da herrschen und predigen, Schlachten schlagen - wie Friedrich Schiller als Militärarzt wenigstens dabei sein.


Was einst galt als gut und gerecht, das wird auch heut' schon stimmen. So zottelt der Urnenpöbel zur Wahl, der Kanzelkriecher schickt sein Knäblein unter die Kutte vom Sinn der Guten Lebensart zu lecken. Hallelujah.



Monumentale Märchengestalten veranschaulichen jedem Kind, dass Löwen anderes Fressen brauchen als Schafe und Enten. Also bescheidet sich der Dümpel gern sogar, wenn er abends satt und schläfrig von Bier sich von artistischen Körpern beim Boxen und Ballspielen unterhalten lässt. Deutschland sucht den Superstar. Fernsehen macht blöde, Fernweh aufsässig. Lassen wir das! Über sich und dies Leben zu sinnieren, verbraucht nur Gehirn.


Das Leben mag ja noch so jämmerlich und elend, eine Last, ein Kreuz gar sein. Doch wo der Heilige Mann aus Stein so verliebt den Leidenen Jesus herzt und hält, da wird sich kein klein Bäuerlein beklagen über die Last der Abgaben, kein Soldat aufmucken, wenn im Graben fällt Freund oder Feind. Mit marschiert man in gleichem Schritt und Tritt.



Feine Frauen helfen den Frommen, Leid zu ertragen - auch wenn schwer uns schon das Kreuz unter Krummstab und Kanone drückt.



Barbusig dient die Schöne mit verbundenen Augen der Klassenjustiz. Die soll dann walten lassen Gerechtigkeit und der Schlange Böser Begierden den Kopf abschlagen. Mythen als Muster herrschaftlicher Selbstgerechtigkeit über Jahrhunderte eintrainiert und andressiert. Im Namen des Volkes.




Hurra, wir leben in herrlichen Zeiten. Krummstab, Kreuz und Klinge stehen uns bei gegen den Allbösen Feind, den Nachbarn natürlich zuerst.



Bevor diesen Platz dann die Weihnachtsmarkthütten belegen, nützt irgendeine Sekte mit Kreuz, Köter und Kutten die sonnigen Stunnden, um Kunden zu keilen zur schnellen Bekehrung, Belehrung. Hallelujah.



Die herrschenden Eliten in großherzigem Verständnis widmen sogar meinem - und allen - Marktweiblein ein Denkmal. Fest und erdverbundenen gleich wie unter einem Stahlhelm frisiert bietet sie all das, was uns erhält.
 
 
Passend zum lieben Marktweiblein die Statue des "Bösen Mann". Nur gut, dass sich in den vergangenen Jahrhunderten die Menschen hierzulande die Freiheit zur Kirchenkritik erkämpft haben.
 


Ein paar ablenkende Gedanken in der spätsommerlichen Hitze an der Regnitz bei Bamberg. Der letzte Tag vor der Heimkehr.
 
 
Saxonette Luxus nennt sich das Gefährt mit Verbrennungsmotor am Hinterrad. Dieses Fahrzeug taugt auch für Fahrten in der Dritten Welt. Dort saugt man schlechter Strom aus maroden Steckdosen, kauft dafür Benzin aus ehemaligen Plastikwasserflaschen. Aber diese solide Verbrennungsmotoren mussten wackligen Lithiumjonen-Akkus weichen.
 
 
 
Ein letzter Sommersonnen-Blick über die Regnitz bei Bamberg. Wie in surrealen Farben wechseln Grün in Blautöne - unwirklich schön.



Wehmütige Erinnerungen an meine Tochter und ihre letzte Wohnung: Ein kleines Haus unter der Turmuhr mit großem Garten. Ihr kleines gelben Auto, der Smart, steht noch vor der Tür. Ihr Mann, mein lieber Freund, zeigt mir ein wenig von Nürnberg.


Nürnberg im Sonntag-Sommer-Sonnen-Schein: Ein Freizeitpark der guten Laune mit Mittelaltermarkt und Tag des offenen Denkmals.


Rollende Denkmäler: Hier ein Allrad-Volvo mit dem Motto auf der Heckklappe: "Wo ein Weg, da ein Volvo."


Neben meiner Freude über Historische Fahrzeuge begeistern mich immer wieder alte Gebäude. Getreu der Devise "Friede den Hütten, Kampf den Palästen" sind mir kleine Juwelen aus altem Fachwerk das Liebste. Im Rahmen der Gentrifizierung wohnen dort mittlerweile vermutlich auch eher Millionäre. Der Urnenpöbel besiedelt soziale Brennpunkte in Plattenbauten der Vorstädte.

 
München und Nürnberg protzen und prunken mit Denkmäler, Symbole der Macht. Hier zeigt sich ein geflügeltes Engelgesicht mit Raubvogelklauen.
 
 
 
Dieser Symbolik liegt die Ideologie des Herrenmenschen zu Grunde. Menschen in München als "Hauptstadt der Bewegung" und in Nürnberg als Stadt der "Reichsparteitage" sind über Jahrhunderte gleichsam prädestiniert, bestens konditioniert, sich für Gott, Führer und Vaterland zu opfern. So wählt und will es der Urnenpöbel: "Starke Führung" in hierarchisch Struktur - weichgespültes Grinsen in der Gruppe und volle Kante dem Gegner.

Archaische Rituale.
 
 
 
 Was den Menschen tagtäglich als Symbol, als Ideologie ins Gehirn gehämmert wird, wird Volksglaube.


Vor dem Brunnen auf dem Marktplatz in Nürnberg staunen die Menschen über die kunstvolle Gestaltung von Krummstab und Krone. Wer einen Bischofsring küsst, fühlt sich gesegnet.


Mein Freund in Nürnberg, verwandt in Gedanken und Gefühlen -  eine bereichernde Begegnung dieser langen - und nicht immer leichten - Reise.



Dienstag, 4. September 2012

Vilnius - Polen - Dresden - Tschechien

Wenn an noch so schönen und ausgefüllten Tagen mich missgelauntes Unbehagen plagt, dann wäre es besser zu schweigen. Doch da gibt die Körpersprache beredt Auskunft, wie dunkle Dämonen im Innern kämpfen. Zum Schluß artet die Fahrt in unverträgliche Kilometerfresserei aus.


Hier haben holländische Edelschrauber sich auf einem Saurer-LKW ein behagliches und großdimensioniertes Heim geschaffen und es bis auf ddas City-Camp in Vilnius geschafft.


Das Museum des Massenmordens in Vilnius logiert im ehemaligen KGB-Foltergefängnis. Wer sich Orte wie diese ansieht, dem hängen noch Stunden, wenn nicht Tage lang düstere Gedanken nach. Das Schlimmste dabei ist eine grausige Gewißheit, dass sich nichts, aber auch nichts, im Menschen seitdem geändert hat. Die Masken sind up-2-date, doch hinter den lächelnden Masken grinsender Gewinngesichter lauert ein ähnliches Monster Mensch wie seit immerdar in allen Zeiten und Regionen. In mir wie in Dir!

Die Massenmanipulation von Gott-Kaiser-Cäsar-Führer wird immer klarer und offensichtlicher. Bei Google zeichnen die Eingabe der Wörter

"Die christlichen Wurzeln des Nationalsozialismus."

ein klares Bild. Auch die Verbrechen Stalins sind m. E. in vergleichbarem Zusammenhang zu verstehen: Massenmanipulation im tiefverwurzelten Glauben an Gott-Kaiser-Zar-Führer. Sinnsuche und Selbstverwirklung Einzelner aus dieser seit Jahrtausenden in Menschen verpanzerter Struktur wird sich weiter von dieser Verkettung befreien.


Hinter prächtig renovierter Fassade hält das Museum "Zentrum für die Forschung der Genoizde und Resistenz litauischer Bevölkerung" das Grauen lebendig. Die Toten der sowjetischen Besatzung von Juli 1940 bis Juli 1941 und von 1944 bis zur Befreiung der Fremdherrschaft 1991 gehen in die Hunderttausende. Der Naziterror schloß nahtlos am 22.06.1941 an den Sowjetterror an und dauerte bis zum Juli 1944, worauf wiederum die Sowjets ihren Terror fortsetzen. Die Folterkammer und Todeszellen, die KGB-Zentrale mit der elektronischen Lauschüberwachung der Gefangenen, einem Video von Hinrichtungen in der ehemaligen Hinrichtungszelle hinterlassen in den Besuchern einen erschütternden Eindruck. Das Video in der Hinrichtungszelle zeigt das Geschehen: Die Wärter zwingen den gefesselten Gefangenen in die Zelle. Ein aufgesetzter Genick- oder Kopfschuß, ein zusammensackender Körper, der über eine schiefe Blechebene ins Freie geschoben wird, ein Eimer Wasser über die Blutlache, die das Blut im Abfluß abschwemmt. Der Nächste.


Auch im Vilnius-Museum der neueren Zeitgeschichte setzt sich der kriegerische Aspekt geschichtlichen Handelns ungebrochen fort. Eindrucksvoll dokumentieren Knochen und Ausrüstung aus den Massengräbern der Soldaten, wie Napoleons Truppen, die beim Einmarsch und Rückzug Vilnius heimsuchten, in Vilnius zu Grunde gingen. Gemälde beweisen, wie sich ausgemergelte Landser dem Tode nahe durch Vilnius schleppten, krepierende Gäule im Schnee.



Das große Morden durch Jahrtausende der Menschheitsgeschichte gesegnet von Mutter-Gottes-Maria. Der schräge Schauer von Sex and Crime, Kreuz-Jesus und Madonna-Jungfrau, Mutter Gottes - steh-uns-bei im Leben und Sterben.


Eliten damals wie heute: Auf Blut und Schweiß verdummter und versklavter Massen einst und verfressenen Urnenpöbels heute stützen sich die Mächtigen - immer und überall. Der Glaube, dass sich verdiente Menschen um das Gemeinwohl sorgen, ist durch Jahrhunderte, ja Jahrtausende Mord-, Blut- und Gewaltgeschichte widerlegt. Der gutmenschelnde Gebets-Glauben lächelnder Gewinn-Gruppen von Esoticker und Religioten ist für mich nicht mehr als Marktideologie. Die ideologischen Priester, Machtverwalter und -erhalter geben sich in Inneren Kreisen grinsend gewinnend, nach außen faschistoid zum "Alt-Bösen-Feind". Egoismus rechnet sich für den Einzigen und sein Eigentum. Dazu zählt die Sippe, die Gruppe Gleichgesinnter. Am meisten widert mich der Egoismus hinter Heuchelnder Heiligigkeit an.



SPON - 1. September 2012: Letztes Interview von Kardinal Monti vor seinem Tod: "Unsere Bräuche sind aufgeblasen, unsere Kirchen groß und leer", sagte der Mann, der 2005 für das Amt des Papstes gehandelt wurde.



Menschen domestiziert in Kasernen, Amtsstuben und Fabriken, menschliche Kreativität, Schaffens- und Lebenslust abgerichtet wie zu maschinengleichen Robotniks, gleich wildem Wasser wie Flüsse in Betonbetten gewzängt. Wie in Überschwemmungen, wie in Naturkatastrophen zerstören Kriege und Revolutionen Menschen mitsamt Hab und Gut. Schuld und Sühne bleiben als lächerliche Rechnungen zwischen Siegern und Besiegten und munitionieren den nächsten Crash.



Die Polizeistation in Vilnius ist heute durch rasiermesserscharfe Stacheldrahtrollen gesichert, in früheren Zeiten noch durch Elektro-Zäune. Graffiti an den Wänden beweisen, dass die Staatsmacht mittlerweile mehr Freiheit gewährt.


Das Kreuz-Denkmal am Fernsehturm in Vilnius gedenkt der letzten 23 Tote, welche am 13. Januar 1991 die Panzerfahrer unter dem Oberkommando von Gorbatschow zermalmt hatten.


Abfahrt vom City-Camp in Vilnius bei strahlendem Sonnenschein, der uns den ganzen Tag nicht im Stich ließ. Doch dennoch müssen wir den Anstrengungen der Rückreise, bei der wir uns größere Strecken als auf dem Hinweg abfordern, schmerzhaften Tribut zollen.



Dieser Vorstadtbahnhof vor Vilnius ähnelt noch den Bahnhofsgebäuden, wie sie mir aus meinen Kinderjahren geläufig waren - also bis etwa 1960 in Deutschland. Die Mauern, welche der Krieg noch übrig ließt, sind mittlerweile geschwungenem Betonbarock gewichen, die Bahn verkehrt eben in ähnlichen Glaspalästen, wie sich Macht in Banken und Versicherung manifestiert.


Wir warteten am Bootssteg des feudalen Campingplatzes in Trakai auf das Schiff, um zur Festungsanlage überzusetzen. Doch wir warten vergebens. Das Schiff legt nicht  an, wie es uns zugesagt war.



Also machen wir uns im Auto auf den Weg zur Burg, sparten 40 Lita, etwa 12 Euro, für das Boot, und parkten in fünf Minuten Fußweg von der Brücke zur Festung. Die Katze fühlt sich wohl in einem der kleinen, bunten, alten Holzhäuser.


Grau-dunkle Wolken häufen sich über der Burgenpracht aus roten Backsteinen.


Die Brücke zur Inselburg ist so schmal, dass kaum ein dickbäuchiger Mensch sich noch neben dem Auto vorbei drücken kann.



Der Aussicht vom Turm über die Inselwelt auf den Seen wäre unvergesslich. Doch der Aufstieg war leider gesperrt.



Dafür bewundern wir staunend den Innenhof des Burggeländes. Die Ausstellung zur Geschichte von der Burg und Litauen in den einzelnen Räumen verstärkt ihre Eindrücke mit multimedialen Effekte.


Der prächtigste Saal im Burggebäude misst 200 Quadratmeter bei einer lichten Höhe von 5,5 Metern.



Wie die Medien heute ständig und von überall das Mordgeschehen der Menschen gegeneinander dokumentieren, so zeigt dies Museumstück die Bombardierung von Danzig 1809.


Als wir das Burggelände verlassen, haben sich die Sonnenstrahlen wieder durch die Wolken den Weg frei gekämpft. Die Vielzahl martialischer Burgansichten, Kriegs- und Heiligenbilder, sakraler und weltlicher Mord- und Machtgewalt hallt auch in meinen Sätzen wider. Reisen regt mich mehr auf und an als mich im Sessel sitzend Glotz-TV Krimi konsumierend oder bei Wagner verführter Musik Rezeptions über Stunden. Reisen ist erwachendes Wachsen im Hier-und-Hetz.



Romantischer Blick zurück: Das in den Jahrhunderten zerfallene Gemäuer, mit dessen Steinen sich Handwerker und Bauern ihre Behausungen errichtet hatten, ist erst im 20.Jahrhundert wieder zu dieser Disney like Postkarten-Idylle auf ein Neues errichtet worden. Backstein auf Backstein. Legoland live.


Der Hummer-SUV hebt sich farblich und im Größenvergleich mächtig prächtig gegen eines der üblichen Holzhäuschen der Altstadt ab.


Für die gesparten Lita der verpassten Bootsfahrt dinieren wir feierlich mit Ausblick auf die Burg.


Im Laufe des Tages stabilierst sich meine Stimmung, unsere Laune, das Zusammenleben. So gelingt noch ein romantisches Burg-See-Blauer-Himmel-Bild.


Mima bastelt für ihren Weihnachtsmarkt ähnliche Steckenpferde. Allerdings sind ihre hübscher.



Etwa 80 Kilometer weiter und kurz vor der polnischen Grenze klingt der Tag mit einem Bilderbuch-Sonnenuntergang aus. Zudem erfrischt mich noch ein Bad im See, dessen kristallklares Wasser bei weitem nicht so kalt ist wie die Ostsee kurz vor Estland. Dieser Reisetag von Vilnius bis kurz vor die polnische Grenze war schon anstrengend. Doch der nächste Tag mit beinahe 300 Kilometer auf polnischen, holprigen Straßen hat uns mit einem 12stündigen Arbeitstag vollkommen geschafft.


Bei der ersten Morgenrast in Rodzin geht es uns noch gut. Zeitverschiebung von einer Stunde und ein viel wärmeres Wetter sollten uns aber neben den Straßen dritter und vierter Ordnung noch viel zu schaffen machen. Vielleicht waren mir die drei fetten, kleinen Fische aus dem See von Rodzin zum zweiten Frühstück dazu noch recht unbekömmlich.


Der Besitzer dieses Dorfladens in Rodzin sprach Deutsch nach langjähriger Arbeitszeit in Frankfurt. Er verkaufte mir für 50 Cent 200 Gramm Lebkuchenkekse, die mit Schokolade überzogen und mit Marmelade gefüllt waren. Der Verzehr dieser Süßspeise wäre wohl schon ohne eine anstrengende Fahrt belastend, bei dieser Fahrt aber auf jeden Fall ganz, ganz schlecht.



Die Mittagshitze versuchen wir an einem ruhigen Platz in Rozan zu überstehen. Wir finden auch wirklich ein Schwimmbad am Fluß Nerew, welcher kühl, doch erfrischend ist. Zudem überwachen zwei Bademeistern den Platz, die die Ruhe mit Pop aus scheppernden Lautsprecherboxen nachhaltig stören. Dennoch gelingt es uns, kurz im sich aufheizenden Auto zu schlafen. Die weitere Fahrt auf den engen, zweispurigen Straßen durch das flache Weide- und Wiesenland ist nervenaufreibend. Busse, die gerade mit Müh und Not 100 km/h schaffen, müssen Sattelzüge überholen, die mit 85 bis 90 km/h über die Landstraße donnern. Durch Dörfer, welche maximal 50 km/h gestatten, donnern 3,5-Tonner, um mit 80 km/h Lastwagen im Dorf zu überholen. Vor dem 3,5-Tonner-Transporter schert ein PKW aus einer Einfahrt mit quietschenden Reifen aus, dass der Lieferwagen scharf seine vollkommen überzogene Geschwindigkeit abbremst. Kurz: Die Verkehrsdisziplin lässt stark zu wünschen übrig. Polen soll in Europa mit nahezu den höchsten Unfallraten schrecken.

Bei Gostynin haben wir einen einsamen Campingplatz an einem See erhofft. Doch wir schaffen die Strecke nicht mehr. Ein Schild lockt uns zu einem Gasthof, der 24 Stunden offen hat. Dort finden wir auch wirklich einen See mit Hütten und Wohnwagen, welche kaum noch Regendicht sind. Eine überdachte Bühne von 30 Metern im Quadrat lockt bei dröhnender Discomusik zum Tanz. Im Hintergrund drappiert sich eine Gruppe von 15 bis 20 schwarz uniformierten Skinheads. Zarte Mädchen im Frühling ihrer langhaarigen Lebenslust biegen einladend ihre gelenkigen Körper. Wir haben das Gefühl in eine Art Freiluft Animierbetrieb geraten zu sein und verlassen mit Schrecken und versiegender Kraft den Platz. Ein Restaurant weiter kehren wir ein, bitten nach dem Abendessen im Hinterhof den Wagen zur Nacht als unser Heim aufzustellen. Wir dürfen das. Mir ist schlecht - kaum 300 Kilometer hinter mir nach einem 12stündigen Arbeitstag.


Anderntags brechen wir um 9.00 Uhr früh auf.  Lange Stunden Schlaf haben unsere Körper und Sinne regeneriert. Wir wollen uns mit etwa 200 Kilometern bis Poznan/Posen begnügen. Wie die Uhr vor dem Hotel in Konin dokumentiert, pausieren wir nach etwa der halben Strecke um 11.15.


Mittags verwöhnen wir uns in der plüschigen Atmosphäre des Hotel Konin mit einem excellenten Mal: Suppen, Salat, Piroggen mit Spinat gefüllt, Reis mit Gemüse und zwei Kaffee zum Abschluß. Doch dafür zahlen wir auch über 20 Euro. Als einzige Alternative hätte sich als Gastronomie in der näheren Umgebung nur noch eine Döner-Bude geboten.


Eine junge Dame mit fasznierendem Dekollté in der Touristeninformation händigt mir eine aufwändige, mehrsprachige Buntdruck-Broschüre über Konin aus. Diese belehrt mich, das Konin zentral auf der Strecke Berlin-Moskau liegt. Weiterhin verweist mich das Heft auf einen der ältesten Meilenstein von 1143, mit dem Konin als Wahrzeichen wirbt.


Andere Gebäude, wie diese einst herrschaftliche Villa am Fluß, stehen zwar schon unter Denkmalschutz, sind aber noch nicht so wunderschön renoviert wie die Brücke. Wir leisten uns von Konin die letzten 100 Kilometer bis Poznan die Autobahn, was 28 Zloty, also etwa sieben Euro kostet. Doch dafür sind wir schnell auf dem Viersterne-Campingplatz in Poznan, der 80 Zloty, also 20 Euro mit allem Komfort kostet - Internet, Dusche, Gastronomie und rundherum ein Erlebnispark mit Ruder- und Kanurennen, einer Riesenrutsche auf Schienen mit Wagen, einer Art Sommerskizirkus auf Säcken mit Schlepplift, verschiedenen Tanzdiskos, chinesisch-thailändischem Restaurant, Baumkletter-Gelände, einem 5,5 Kilometer Rennrundkurs um den See, auf dem wildgewordene Mountain-Biker tollen und vielen Liebespaaren, die sich gegen die Abendkühle knutschend wärmend beglückend entzücken und ihr Inneres Feuer entfachen.


Gleich der Nachbar auf der nächsten Parzelle führt eine Reisegruppe in seinem Dickschiff. "Wohin führen Sie denn die Reisegesellschaft?" Er sagt: "Masurische Seen und Litauen." "Was so weit?", provoziert ihn mein Erstaunen. Denn er sieht den Schmutz auf unserem Wagen. Es ist ersichtlich, dass nun bald viertausend Kilometer hinter uns liegen. Ein Monat mit Mimamai auf der Enge von sechs Metern Länge und zwei Metern Breite in einem Bett von 135 mal 190 Zentimetern. Eins ist sicher: Man lernt sich näher kennen auf so engem Raum! Aber es ist ja nicht das erste Mal, es sind auch keine Flitterwochen-Fahrten mehr nach in unserem 16. Jahr, aber es ist immer noch aufregend, spannend, geil gar bei Vollmond und chilenischem Rotwein.



Mondnacht über dem See MALTA in Poznan: Rund um den See ist das Leben wie ein Rummelplatz. Bootrennen, Fahrrad- und Rollschuhfahrer, die um den See jagen, Schlitten auf Kufen und ein Lift, um Menschen herunterrutschen zu lassen auf Matten, Diskos, Lokale. Die Menschen feiern in den Sonntag bis morgens früh um fünf. Die Parkwächter schleichen ums Auto, bedienen ihre Funkgeräte, welche mich mit unangenehmen Piepen wecken. Was sich die Wächter am Campingplatz  im Morgengrauen über ihre Funkgeräte zu erzählen haben, ist ärgerlich für mich, weil dieser Lärm meine Nachtruhe zu früh beendet..


Wieder, wie im Mai, vor dem prächtigen Dom in Poznan. Immer wieder erstaunen mich die mächtigen Backsteinmonumente, um Frömmigkeit in Reih und Glied zu organisieren.


Die Symbole zeigen das Spiel von Macht, Politik, Manipulation. Kreuz, Krone, Kanonen - immer und überall. Mittlerweile beanspruchen die New-Age Erleuchter Marktanteile an diesem kruden Geschäft.


Doch wenn nicht gerade Busse die Pilger in Scharen in die Heiligen Hallen schaffen, versuchen diese Angler sich am schönen Sonntagmorgen ihren Speiseplan mit ein paar Eiweiß liefernden Fischen aufzubessern.


Immer wieder die in Stein gehauene Heiligen huldigende Andacht gespielter Hingabe an das Symbol des Leidens, Jesus. Die Macht auf dem Marktplatz bewerben heute vielfach andere Angebote als das Leiden Christi. Doch es geht - wie immer - um Macht und Einfluss, um Gewinn und Genuss.



Profi-Kletterer behängen die Fassaden am Marktplatz von Poznan mit neuen Werbebildern. Statt Krone, Kreuz und Kanonen demokratisiert sich der Markt in Richtung Kommerz.


Symbole auf einem barock verzierten DAchgiebel am Marktplatz in Poznan. Der Raubvogel über Kanonen und Kriegern. So brummt das Geschäft und ist sicher. Gleiche Symbolik schmückten wohl schon die Rutenbündel schwingenden Söldner, die dem Cäsar den Weg frei prügelten.



Die sonntägliche Fahrt Richtung Deutschland führt uns auf Straßen ohne Nummern an Orten ohne Namen - auf der Karte - vorbei, bis wir erstaunt vor einem Schloß stehen. Die aufgereihten Briefkästen lassen vermuten, dass das Anwesen von mehreren Parteien bewohnt wird. Doch kaum lassen sich Menschen einmal in den verlassen wirkenen Dörfern erblicken.



Irgendwann und irgendwo kaufen wir am Sonntag im Supermarkt ein. Das wäre weiter nicht der Rede wert. Doch die Öffnungszeiten dieses Marktes in irgendeinem verlassenen Nest sollte man sich näher ansehen.


Öffnungszeiten im Dorfsupermarkt - irgendwo in Polen, nicht weit von der deutschen Grenze. Um dem oberflächlichen Betrachter auf die horrenden Arbeitsstunden aufmerksam zu machen. Von Montag bis Samstag öffnet der Laden 13 Stunden lang, am Sonntag acht Stunden. Wenn dabei für das Personal soviel Lohn herausspringt, wie die Hartz-IV-Industrie verteilt an einzelne Kunden, würde mich das schon sehr wundern. Dennoch sind die Preise für Lebensmittel durchaus mit unsrigen vergleichbar.

Gegen Abend erreichen wir nach dreieinhalb Stunden anstrengender Landstraßenstrecken und längeren Pausen den Campingplatz in Slawia. Das Erholungsdorf liegt an einem 854 Hektar großen See, dessen Wasser allerdings grünlich schillernd schrecken. Immerhin schicken die Herrchen Hunde in die Fluten, welche sich nach anfänglichem Zögern und Zaudern später sichtlich im grünen Badewasser vergnügen.


Wie an jeder touristischer Attraktion bisher in Polen ist auch dieser See von Buden, Spielhallen, Eisdielen, Fisch- und Frittenküchen besiedelt. Die obligate Techno-Tanz-Diele hat schon mangels Kundenmassen geschlossen. Ein nobles Hotel befriedigt und bedient anspruchsvolles Publikum.


Statt flackernden Leuchtreklamen werben die Buden mit künstlerisch anspruchs- wie ausdruchsvollen Plakaten.


Vor dem langen Sanitärgebäude rasieren wir uns im Freien. Wer sein Auto reparieren muss, nutzt vor dem Sanitärgebäude die Wartungsbühne. Doch es ist anzunehmen, dass mittlerweile die meisten Autos gut genug sind, um die Fahrt in den Urlaub und heim zu schaffen.


Endlich schaffen wir es, Polen auf der Autobahn in Richtung Dresden zu verlassen. Mima findet mit dem untrüglichen Instinkt einer erfahrenen Marktfahrerin bei Panewitz in Sachsen ein schattiges Plätzchen zur Mittagszeit. In einem aufgelassenen Steinbruch hat sich Grundwasser angesammelt, aus dem die Feuerwehr ihr Löschwasser zapft. Das Bad dort ist weit einladener als am polnischen See in Slawia. Der dunkle See spiegelt zwei kreisende Raubvögel in großer Höhe.


Diesmal steht für mich in Dresden nur ein Besuch an: Das historische Militärmuseum. Zwei fasznierende Stunden in dem Groß-Gebäude frischen meine Geschichtskenntnisse über die kriegerische Vergangenheit auf. Mima wartet in der Hitze nur ungern, weswegen meine Besuchszeit leider begrenzt bleibt.



Vom luftigen Anbau genießt man vom höchsten Punkt des Gebäudes zudem noch einen eindrucksvollen Blick über die Stadt. Doch einige der grausigen Exponate gehen mir nicht mehr aus dem Kopf. Krieg, Mord und Selbstmord sind Themen die das Museum anders angeht als lustvolle Tatort-Unterhaltung.

"Angepasst ist angepisst". Ein mutiger Mensch hat mit dieser Jacke in der Endphase der DDR versucht, seine Meinung frei zu äußern.

Wieder eine dieser Gestalten von "Gottes Gnaden": Kaiser Wilhem, der Zweite. Der Mann pokerte mit seinen Eliten um deutsche Weltgeltung, doch die Gottes-Gnaden-Gleichen verspielten den Einsatz: Millionen von Menschen. Die Ära des modernen 30jährigen Krieges von 1914 bis 1918 und von 1939 bis 1945 zeigt noch nie zuvor erlittenen industrielle Zerstörungskraft und -wut.


Wie der Museumsbesucher gleich im aufgeschlagenen Buch militärischer Geschichte blättert, so überblickt man am zum Schluß Dresden vom obersten Stockwerk des gewaltigen Gebäudes. Es dürfte der Steuerzahler nach meiner oberflächlichen Schätzung auf jede verkaufte Eintrittskarte das Zehn- bis Zwanzigfache drauf legen, um die Kosten der Anlage einzuspielen.


Düstere Abschiedsszene schwer verpanzerter Gestalten im Militärmuseum. Die Gestalt auf Knien forscht nach Minen. Die eingepanzerten Puppen scheinen mir symptomatisch für das Zusammenleben: Jeder verpanzert sich in seiner eigenen Welt aus Vorteilsnahme, jeder sucht den Sieg als Gewinn-, Genuss-, Gewalt-, Gier-Getriebener. Was andere sagen und meinen, hört der verpanzerte Mensch nur, wie es ihm nutzt. Erst Niederlagen brechen den Panzer auf, Krankheit sporadisch, der Tod endgültig.



Leider bleibt mir einzugestehen, dass nach Dresden die Fahrt etwas aus dem Ruder läuft. Im Internet hatte im tschechischen Teplice ein Zeltplatz in schönsten Worten für sich geworben. Doch allein die angegebenen Koordinaten kann das Navi nicht verarbeiten. Also müssen wir in Teplice von Tankstelle zu Tankstelle uns nach einem geeigneten Platz für die Nacht erkundigen. Auf einer eigens gekauften Karte von Teplice finden wir in einem Vorort am See ein Autocamp und einen Yachtclub. Doch das Tor ist verschlossen. Ein Landsmann öffnet uns die Gitter. Wir stehen still an einem See. Aber die Fahrt von Polen über Dresden nach Tschechien war schon zu lang.



Meine Frau hätte von Dresden leicht und schnell einen Zug nach Bamberg nehmen können. Doch sie will diesmal mit Vogelhäuschen für ihren Weihnachtsmarkt ansehen, von denen sie letztes Jahr ein paar von mir aus Tschechien geschenkt bekommen hatten. Also fahren wir Richtung Süden auf tschechischer Seite. Doch als wir in Karlsbad ankommen, erschreckt mich die Großstadt über alle Maßen, weil nichts mit meiner Erinnerung von den Vogelhäuser-Händlern des vergangen Jahres gemein hat. In diesem Schrecken zieht mir beim Studium der Karte durch den Sinn, dass der Kauf in Marienbad gewesen sein muss. Also dieseln wir weiter eine überaus schöne Bergstrecke bis auf  800 Meter Höhe in zahlreichen engen Kurven.


Wir kurven lange dann noch durch Marienbad. Doch auch die Stadt hat wieder nichts gemein mit der, wo mir letztes Jahr emsige Asiaten an einem großen Parkplatz Vogelhäuschen angeboten hatten. Mima ist mit ihrer Kraft am Ende. Sie will nur noch schwimmen. Doch das Schwimmbad wird restauriert. Weitere Bäder halten nur die noblen Hotels vor, welche sie nur logierenden Kurgästen öffnen. Bei weiterem Studium der Karte dämmert es mir, dass es das Franzensbad bei Cheb war, kurz hinter der deutschen Grenze, wo es die Vogelhäuschen gibt. Mima kann zwar noch im Wagen essen und sogar ein wenig schlafen. Doch von einer Gymnastik-Tanzbude gegenüber weckt sie dann wieder Techno auf. Dennoch fahren wir am frühen Nachmittag nochmal 30 Kilometer weiter, wenigstens auf glatter Straße, zum Teil sogar Autobahn, um in Franzensbad anzukommen. Der Ort stimmt, das Aquaforum liefert uns ein hervorragendes Bad. Am abendlichen Campinplatz vor Ort herrscht Ruhe. Die Internetverbindung stimmt.



Mit einem kurzen Ausblick auf Marienbad, hier die russisch orthodoxe Kirche für die zahlreiche und zahlungskräftige Kurkunden aus Russland, aufgefrischten Erinnerungen über meine Besuche vor Jahren in Karlsbad und letztes Jahr in Franzesbad geht dann diese Reiseerzählung online.

Wie sich dann noch die letzten Wegstrecken nach mittlerweile 4500 Kilometer gestalten, bleibt zu berichten. Jedenfalls kann Caravan Degen bei Bayreuth am Donnerstag morgen die defekte Türjalousie erneuern. Der Termin übermorgen steht also - sonst ist noch vieles offen.